Gleiche Wirkung – unterschiedliche Wege. Warum LED und LASER in der Photobiomodulation nicht konkurrieren, sondern sich biologisch ergänzen

Jan 25, 2026

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt: LED und Low-Level-Lasertherapie wirken nicht identisch – aber komplementär. Entscheidend sind photobiochemische Wirkprofile, Gewebetiefe und der richtige Einsatz zum richtigen Zeitpunkt.

Eine kürzlich publizierte systematische Übersichtsarbeit in Cell Biochemistry and Function hat eine alte Diskussion neu und differenziert beleuchtet:
Sind LED und Low-Level-Lasertherapie (LLLT) biologisch gleichwertig – oder grundlegend verschieden?

Die Antwort ist klarer, als es die Debatte lange vermuten ließ:
Sie sind nicht gleich – aber biologisch sinnvoll unterschiedlich.

Quelle (Open Access):
https://doi.org/10.1002/cbf.70161

1. Gemeinsame Basis – Photobiomodulation ist Photochemie

Sowohl LED als auch LASER entfalten ihre Wirkung über Photobiomodulation.
Beide Lichtquellen aktivieren mitochondriale Chromophore – insbesondere Cytochrom-c-Oxidase – und lösen identische Primärreaktionen aus:

  • gesteigerte ATP-Produktion

  • modulierte ROS-Signale

  • Freisetzung von Stickstoffmonoxid

  • Aktivierung regenerativer Signalwege

Entscheidend:
👉 Diese Prozesse sind nicht von der Kohärenz des Lichts abhängig, sondern von Wellenlänge, Energiedosis und Gewebetiefe.

2. Der eigentliche Unterschied: Wie Energie im Gewebe verteilt wird

Hier beginnt die Differenzierung.

LLLT (Laser)

  • hoch fokussierte, kollimierte Energie

  • höhere Photonendichte pro Fläche

  • größere Eindringtiefe (v. a. im NIR-Bereich)

➡ bevorzugte Aktivierung tiefer Zellpopulationen
➡ starke Proliferations-, Angiogenese- und Kollagensignale

LED

  • flächige, homogene Energieverteilung

  • geringere lokale Spitzen

  • primär wirksam in Epidermis und oberflächlicher Dermis

➡ stärkere entzündungsmodulierende Effekte
➡ metabolische Stabilisierung statt Beschleunigung

3. Unterschiedliche Signalachsen – gleiche Zielrichtung

Die Review zeigt klar unterschiedliche biochemische Schwerpunkte:

  • LLLT aktiviert bevorzugt
    PI3K/Akt, MAPK/ERK, VEGF, TGF-β
    → Zellproliferation, Gefäßneubildung, Typ-I-Kollagen

  • LED moduliert bevorzugt
    NF-κB, COX-2, SPHK1
    → Reduktion von TNF-α, IL-1β, IL-6
    → anti-inflammatorische Milieuverschiebung

Beide führen zur Wundheilung – über unterschiedliche biologische Hebel.

4. Mitochondriale Dynamik als Schlüssel

Ein besonders spannender Befund:

  • LED fördert mitochondriale Fusion
    → Stabilisierung, Stressreduktion, Homöostase

  • LLLT steigert mitochondrialen Turnover
    → Aktivierung, Energieumsatz, Regenerationstempo

Das erklärt, warum LED oft „ruhiger“, LLLT dagegen „dynamischer“ wirkt – ohne dass eines dem anderen überlegen wäre.

5. Klinische Konsequenz: nicht entweder – sondern gezielt

Die Quintessenz der Arbeit ist eindeutig:

  • LLLT ist quantitativ stärker bei
    Gefäßdichte, Gefäßkaliber und Typ-I-Kollagen

  • LED ist biologisch gleichwertig, teils überlegen bei
    Entzündungsmodulation und metabolischer Stabilität

👉 Die entscheidende Variable ist nicht das Gerät, sondern der richtige Einsatz zum richtigen Zeitpunkt.

Unser Fazit

Moderne regenerative Medizin stellt nicht die Frage
„LED oder LASER?“

Sondern:
Welche photobiochemische Wirkung braucht dieses Gewebe – in dieser Phase – bei diesem Patienten?

Gleiche Wirkung – unterschiedliche Wege. Warum LED und LASER in der Photobiomodulation nicht konkurrieren, sondern sich biologisch ergänzen

Jan 25, 2026

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt: LED und Low-Level-Lasertherapie wirken nicht identisch – aber komplementär. Entscheidend sind photobiochemische Wirkprofile, Gewebetiefe und der richtige Einsatz zum richtigen Zeitpunkt.

Eine kürzlich publizierte systematische Übersichtsarbeit in Cell Biochemistry and Function hat eine alte Diskussion neu und differenziert beleuchtet:
Sind LED und Low-Level-Lasertherapie (LLLT) biologisch gleichwertig – oder grundlegend verschieden?

Die Antwort ist klarer, als es die Debatte lange vermuten ließ:
Sie sind nicht gleich – aber biologisch sinnvoll unterschiedlich.

Quelle (Open Access):
https://doi.org/10.1002/cbf.70161

1. Gemeinsame Basis – Photobiomodulation ist Photochemie

Sowohl LED als auch LASER entfalten ihre Wirkung über Photobiomodulation.
Beide Lichtquellen aktivieren mitochondriale Chromophore – insbesondere Cytochrom-c-Oxidase – und lösen identische Primärreaktionen aus:

  • gesteigerte ATP-Produktion

  • modulierte ROS-Signale

  • Freisetzung von Stickstoffmonoxid

  • Aktivierung regenerativer Signalwege

Entscheidend:
👉 Diese Prozesse sind nicht von der Kohärenz des Lichts abhängig, sondern von Wellenlänge, Energiedosis und Gewebetiefe.

2. Der eigentliche Unterschied: Wie Energie im Gewebe verteilt wird

Hier beginnt die Differenzierung.

LLLT (Laser)

  • hoch fokussierte, kollimierte Energie

  • höhere Photonendichte pro Fläche

  • größere Eindringtiefe (v. a. im NIR-Bereich)

➡ bevorzugte Aktivierung tiefer Zellpopulationen
➡ starke Proliferations-, Angiogenese- und Kollagensignale

LED

  • flächige, homogene Energieverteilung

  • geringere lokale Spitzen

  • primär wirksam in Epidermis und oberflächlicher Dermis

➡ stärkere entzündungsmodulierende Effekte
➡ metabolische Stabilisierung statt Beschleunigung

3. Unterschiedliche Signalachsen – gleiche Zielrichtung

Die Review zeigt klar unterschiedliche biochemische Schwerpunkte:

  • LLLT aktiviert bevorzugt
    PI3K/Akt, MAPK/ERK, VEGF, TGF-β
    → Zellproliferation, Gefäßneubildung, Typ-I-Kollagen

  • LED moduliert bevorzugt
    NF-κB, COX-2, SPHK1
    → Reduktion von TNF-α, IL-1β, IL-6
    → anti-inflammatorische Milieuverschiebung

Beide führen zur Wundheilung – über unterschiedliche biologische Hebel.

4. Mitochondriale Dynamik als Schlüssel

Ein besonders spannender Befund:

  • LED fördert mitochondriale Fusion
    → Stabilisierung, Stressreduktion, Homöostase

  • LLLT steigert mitochondrialen Turnover
    → Aktivierung, Energieumsatz, Regenerationstempo

Das erklärt, warum LED oft „ruhiger“, LLLT dagegen „dynamischer“ wirkt – ohne dass eines dem anderen überlegen wäre.

5. Klinische Konsequenz: nicht entweder – sondern gezielt

Die Quintessenz der Arbeit ist eindeutig:

  • LLLT ist quantitativ stärker bei
    Gefäßdichte, Gefäßkaliber und Typ-I-Kollagen

  • LED ist biologisch gleichwertig, teils überlegen bei
    Entzündungsmodulation und metabolischer Stabilität

👉 Die entscheidende Variable ist nicht das Gerät, sondern der richtige Einsatz zum richtigen Zeitpunkt.

Unser Fazit

Moderne regenerative Medizin stellt nicht die Frage
„LED oder LASER?“

Sondern:
Welche photobiochemische Wirkung braucht dieses Gewebe – in dieser Phase – bei diesem Patienten?